Wissenschafts- und Technologiepolitik

Wissen, Leben und Governance in technowissenschaftlichen Gesellschaften

Wissenschaft und Technik sind Kernelemente moderner Gesellschaften. Sind ebenfalls zentrale Akteure in und Themen von nationaler und internationaler Politik. Die Professur für Wissenschafts- und Technologiepolitik erforscht die vielfältigen Beziehungen zwischen Wissenschaft, Technologie, Gesellschaft und Politik, die in unseren zunehmend technowissenschaftlichen Gesellschaften entstehen. Dabei stehen vor allem zwei Aspekte im Vordergrund:

Einerseits untersucht die Forschungsgruppe der Professur, wie wissenschaftspolitische und institutionelle Rahmenbedingungen und Steuerungsmaßnahmen (wie beispielweise Evaluationspraktiken, Karrierenormen, Forschungsfinanzierungsformate) wissenschaftliche Arbeits- und Wissenskulturen beeinflussen und formen. Dabei steht im Vordergrund nachzuzeichnen, wie Wissenschaftler/innen in ihren verschiedenen Funktionen innerhalb des wissenschaftlichen Systems, die Normen, Werte und Strukturen wissenschaftlicher Institutionen wahrnehmen und interpretieren, und wie diese Interpretationen ihre diversen akademischen Praxen beeinflussen. Aktuelle und abgeschlossene Projekte dieser Forschungslinie haben sich unter anderen damit beschäftigt, wie Nachwuchswissenschaftler/innen die Normen und Werte akademischer Karrierepraxen wahrnehmen und wie ihre Interpretationen dieser normativen Strukturen epistemische Orientierung und soziale Organisation ihrer Forschungspraxen beeinflussen; das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Leistungsevaluation und menschlicher Diversität in wissenschaftlichen Institutionen beleuchtet; oder untersucht, wie Gutachter/innen für renommierte Förderprogramme den Begriff der ‚wissenschaftlichen Exzellenz‘ verstehen und operationalisieren wenn sie Förderungsentscheidungen im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses treffen. Ziel dieser Forschungsprojekte ist es, Wissen über die Interaktionen zwischen wissenschaftspolitischen und institutionellen Kontexten und den Praktiken und Inhalten von wissenschaftlicher Wissensproduktion zu erzeugen. Damit werden empirisch fundierte Grundlagen für eine Reflexion möglicher unintendierter Effekte von wissenschaftspolitischen und institutionellen Maßnahmen geschaffen, sowie Möglichkeitsräume für ihre Adjustierung ausgelotet.

Andererseits beschäftigt sich die Forschungsgruppe damit, wie sich neue Forschungsideen innerhalb der gegenwärtigen wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Landschaften und ihrer gesellschaftlichen Kontexte entfalten. Der Fokus liegt im Besonderen auf neuen Wissenskulturen in den Lebenswissenschaften. Die häufig inter- und transdisziplinär angelegten Forschungsprojekte adressieren dabei die epistemischen, sozialen und politischen Dimensionen und Dynamiken von neuen lebenswissenschaftlichen Wissensformen und Biotechnologien. Wir zeichnen dabei nach, wie sich neue Forschungsideen innerhalb ihrer gegenwärtigen wissenschaftlichen, wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entfalten und mit welchen sozialen und politischen Implikationen. Ziel ist es, auszuloten, wie Forschungskontexte und praktiken verbessert werden können, um verantwortliche Formen der wissenschaftlichen Wissensproduktion, Innovation und Technologieentwicklung zu ermöglichen. Werkzeuge hierzu könnten eine verstärkte inter- und transdisziplinäre Kollaboration, zum Beispiel zwischen den Natur- und Sozialwissenschaften sein, sowie eine frühzeitige Partizipation von Bürger/innen an Prozessen wissenschaftlicher Wissensproduktion und technologischer Innovation. Zentral für diese Forschungsvorhaben sind Fragen sozialer und umweltbezogener Gerechtigkeit, wie beispielsweise über den Zugang zu neuen Biotechnologien oder die soziale Verteilung von Risiken und Vorteilen. Forschungsprojekte adressieren gegenwärtig die epistemischen, sozialen und politischen Implikationen eines zunehmend epigenetischen Verständnisses von Körper, Gesundheit und Krankheit; die wissenschaftliche und öffentliche Bewertung der Potentiale und Herausforderungen neuer Genom-Editierungs-Technologien in der Biomedizin und in der Landwirtschaft; sowie die zunehmende Problematisierung von ‚Mikroplastik‘ als neues Umwelt- und Gesundheitsrisiko in Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft. Die Projekte der Professur untersuchen, was verantwortungsvolle Forschung und Innovation in den jeweils spezifischen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontexten heißen könnte und welche Formen der Partizipation von und Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Stakeholdern dafür notwendig sind.

Forschungsprojekte an der Professur sind u.a. gefördert durch Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Bayerischen Forschungsstiftung und dem EU Horizon 2020 Programm.

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