Practicing Evidence – Evidencing Practice (DFG)

Evidenz wird für politische, gesellschaftliche und individuelle Entscheidungen immer wichtiger, auch wenn dieser Tage vermehrt von einem drohenden „postfaktischem Zeitalter“ die Rede ist. Evidenz basiert auf wissenschaftlich erhobenen Daten, ist aber auch ein soziales Phänomen. Wie und von wem wird Evidenz hergestellt, wie wird sie verwendet und welche Auswirkungen hat das? Dies sind die grundlegenden Fragen, mit denen sich unsere Forschergruppe auseinandersetzt. Da Evidenz ein Thema ist, das viele verschiedene Disziplinen angeht, ist die Forschergruppe interdisziplinär ausgerichtet. Unsere insgesamt sechs Teilprojekte umfassen Wissenschaftler aus den Fachbereichen Technikgeschichte, Praktische Philosophie, Wissenschaftssoziologie, Medizingeschichte und -ethik, Marketing und Konsumforschung, sowie Wissenschafts- und Umweltgeschichte.

  • Sprecherin: Prof. Dr. Karin Zachmann
  • Koordinatorin: Dr. Sarah Ehlers

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Teilprojekte

Teilprojekt 3: „How safe is safe enough?“ – Evidenzpraktiken technischer Sicherheit in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung

01.04.2017 – 31.03.2020

Das Projekt untersucht Evidenzpraktiken der technischen Sicherheit im geteilten Deutschland von den 1950er-Jahren bis in die 1980er-Jahre am Beispiel von zwei Technikbereichen, dem Kraftfahrzeugwesen und der Kerntechnik. Als Schlüsseltechnologien des Atom- und Konsumzeitalters trugen diese beiden Bereiche erheblich zur Entwicklung der Vorstellung von ‚Sicherheit‘ als einer zentralen gesellschaftlichen Wertidee bei. Wir gehen davon aus, dass die im Kontext der deutschen Nachkriegsgeschichte und des Kalten Krieges erfolgende Versicherheitlichung von Technikbereichen, d.h. die Identifizierung immer neuer sicherheitsrelevanter Bereiche, mit der Verwissenschaftlichung technischer Sicherheit einherging.

  • Prof. Dr. Karin Zachmann
  • Dr. Stefan Esselborn

Teilprojekt 6: Evidenz in der Citizen Science – Zwischen nicht-zertifizierter Expertise, professioneller Kontrolle und Technisierung

05.2017 – 04.2020

Die Beteiligung von Laien an der Forschung galt lange als kaum vereinbar mit dem Selbstverständnis moderner Wissenschaft. Dies beginnt sich jedoch zu wandeln. Unter dem Stichwort Citizen Science etabliert sich gegenwärtig ein sozioepistemisches Arrangement, das auf der Partizipation von Laien im Forschungsprozess basiert. Damit bilden sich neue funktionale Beziehungen heraus, in denen Wissen koproduziert wird, neue Formen der Arbeitsteilungen erprobt und etablierte Rollenverständnisse problematisiert werden. Als technologischer Treiber aktueller Citizen Science gilt die Digitalisierung mit den durch sie ermöglichten Beteiligungsinfrastrukturen. Mit Citizen Science verbinden sich wissenschaftspolitische Erwartungen einer Demokratisierung von Wissenschaft und einer partizipativen Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen.

Gefragt wird, wie Evidenzpraktiken in der Citizen Science funktionieren – angesichts einer Beteiligung von Akteuren und Akteurinnen, die nicht zu zertifizierten wissenschaftlichen Professionsgemeinschaften gehören. (Wie) kann Wissen auch dann als glaubwürdig und handlungsorientierend erachtet werden, wenn der soziale Kreis der Beteiligten an der Forschung den berufswissenschaftlichen Kontext überschreitet?

  • Prof. Dr. Sabine Maasen
  • Prof. Dr. Sascha Dickel (Uni Mainz)
  • Dr. Andreas Wenninger

DFG Forschergruppe 2448 “Evidenzpraktiken”
Mail: evidenzpraktiken@tum.de

Projektleitung:
Prof. Dr. Karin Zachmann

Zeitraum:
2017 – 2020

Projekttyp:
["Verbundprojekt \/ Consortium Project"]

Fördergeber:
DFG